Dem Begriff Shugyosha begegnete ich das erste Mal in dem Roman "Musashi" von Eiji Yoshikawa. 
Der Roman spielt im Japan des 17. Jahrhunderts und erzählt das Leben des wohl größten Schwertkämpfers in der Geschichte Japans, Miyamoto Musashi. 

Bis zum 17. Jahrhundert war Japan erfüllt von blutigen Kriegen, die erst mit der Schlacht bei Sekigahara (um 1600) beigelegt wurden. 
Tokugawa Ieyasu wurde Shogun, das Reich war geeint. Bis auf einige Versuche des Umsturzes kann man wohl tatsächlich von Friedenszeiten sprechen.
In den nächsten 250 Jahren isolierte sich Japan von dem Rest der Welt und der Status des Samurai, seinerzeit der wichtigste Eckpfeiler in den Armeen der Fürsten, änderte sich.
Der Tagesablauf eines Samurai wurde nun nicht mehr vom Kampf diktiert.
Was sollte nun ein Soldat, ein Söldner, ein Krieger mit seinem Leben anfangen, wenn es keine direkten Betätigungsfelder mehr gab?
Man versuchte dem Stand der Samurai mehr Wertigkeit zu geben, indem man "den Krieger" stark idealisierte.
Die Methode des Kämpfens wandelt sich in eine Kampfkunst. 
Und nicht nur die Kampfkunst gehörte nun zum typischen Tagesablauf eines Samurai, sondern unter anderem auch die Kunst des Schreibens, des Dichtens, sowie die cha no yu (Tee-Zeremonie).
Die Lebensweise der Samurai wurde quasi idealisiert und in diesem Zuge strebten immer mehr von ihnen auch die perfekte Schwertkunst an. 
Historiker streiten darüber, in wie weit sich in dieser Zeit die erprobten Kampfmethoden stilisierten und in wie weit diese neuen Kampfkünste überhaupt noch funktionierten.
Dennoch:
Viele herrenlose Samurai, ronin, bereisten das Land und besuchten Schwertschulen, die in dieser Zeit nur so aus dem Boden schossen. 
Nicht selten kam es dabei zu Herausforderungen und Duellen zwischen Schwertkämpfern, die dabei häufig den Tod fanden. 

Die Beschäftigung mit den japanischen Kampfkünsten ließ mich nicht am japanischen Mittelalter vorbeikommen. Die gesamte Geschichte, die Lebensweise der Samurai übten von Anfang an ein große Faszination auf mich aus. 
Warum das so ist kann ich nicht einmal sagen, aber ein gutes Samurai-Buch oder ein gelungener Kurosawa-Film lassen mich komplett in diese Welt eintauchen und alles andere um mich herum vergessen.
Im Anhang von Yoshikawas "Musashi" heißt es:
Shugyosha: Schüler der Schwertfechtkunst, der sich in Askese übt.
Natürlich bin ich meilenweit davon weg mein Leben der Kampfkunst zu widmen oder gar von Askese zu sprechen. 
Ich bin nur ein Lernender, der lediglich im Rahmen seiner Möglichkeiten trainiert und sich dabei sauwohl fühlt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

 

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