Den typischen Mathematiker stellt man sich mit Anzug und Brille vor, der keine Vermutungen zulässt, der alles bewiesen haben muß und sich logikverliebt den Mitteln der Beweistechnik unterwirft um hinter jedem Sachverhalt eine vernünftige
Erklärung zu finden.
Der typische Philosoph, so stellt man ihn sich vor, langhaarig in einer Tonne hausend, sich verlierend in Luftschlössern nach Erklärungen für die Phänomene des Lebens suchend.
So gegensätzlich und doch so nah?

Ein kleiner Denkanstoß:

Stelle Dir die Frage, warum 1 + 1 = 2 ist!
Die Antwort, die Du geben wirst ist: "1 Apfel und noch ein Apfel sind nun mal 2 Äpfel. Das zählt man doch so ab."
Die Zahlen, die man zum Abzählen benutzt sind die sogenannten "natürlichen Zahlen". Sie werden schon seit Menschengedenken eingesetzt und als Werkzeug benutzt, um eine gewisse Ordnung in die Dinge, die uns umgeben, zu bringen.
Doch was genau sind natürliche Zahlen? Wo kommen sie her? Wie definiert man die Menge der natürlichen Zahlen?
Die Definition der "natürlichen Zahlen" basiert auf den sogenannten Peano-Axiomen (
Giuseppe Peano, 1858 - 1932).
Diese Axiome setzen einen bestimmten Sachverhalt voraus, der als solcher nicht beweisbar ist, aber als Grundstein für die Definition der natürlichen Zahlen unabdingbar ist:

1.) 1 ist eine natürliche Zahl.

2.) Zu jeder Zahl n gibt es eine eindeutig bestimmte natürliche Zahl n*, genannt der Nachfolger von n.

3.) 1 ist nicht der Nachfolger irgendeiner natürlichen Zahl.

4.) Zwei natürliche Zahlen n und m, deren Nachfolger gleich sind (d.h. m* = n*), sind selbst gleich (d.h. m = n).

5.) Es sei T eine Teilmenge der natürlichen Zahlen mit folgenden Eigenschaften:
Voraussetzung:
a) 1 gehört zu T;
b) gehört n zu T, dann ist auch der Nachfolger n* von n ein Element von T.
Daraus folgt:
Dann stimmt T mit N überein.

Was bedeutet dies?
Die "1" wird als gegeben hingenommen, und durch die Axiome definiert sich der Nachfolger, der sich  aus der 1 erzeugen lassen muß,
denn die "1" ist im Moment das einzige Element der Menge. Man kann nun sehen, daß diese Menge mit Hilfe der "Addition zur 1" schnell erweitert werden kann.
So kann man leicht den Nachfolger der "1" herausfinden, indem man "1+1" als Nachfolger bestimmt. Diesen nennen wir "2"!
Also ist der Nachfolger von "1" die "2" deren Nachfolger die "3" ist und so weiter.
(Das, was ich hier stark verkürzt wiedergebe, darüber gibt es ganze Abhandlungen... Oh Graus, und sowas habe ich studiert. Ächz!)

Die ganze Rechnung würde jedoch nicht aufgehen, wenn die 1 nicht existiert. Wo kommt die 1 jetzt her?

Ich zitiere John Blofeld ( aus "Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt", O.W. Barth Verlag):
"Ausgehend von Gedanken, die im Buch der Wandlungen, I Ching, formuliert werden, kann man annehmen, dass die Menschen, Jahrhundete vor Lao Tzu, das Wirken des Tao erschauten  aus dem Wechsel von Yin und Yang, Ersteres negativ, passiv, weiblich, Zweiteres positiv, aktiv, männlich. Lao Tzu sagt dazu:

Das Tao gab Geburt der Eins, die Eins der Zwei, die Zwei der Drei, die Drei den Myriaden Dingen, welche  tragen das Yin und umschließen das Yang harmonisch vereint.

Dies mag bedeuten: Das Tao zeigt die Möglichkeit aller Form, das ist die Eins, sein aktives Prinzip ist yang, sein passives Yin, dies ist die Zwei; deren Verbindung  erzeugt sie "drei Schätze", die Drei; Diese gebären aller Myridiaden Dinge des Universums...."

 

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